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Anne Riecke diskutiert über mehr Chancengerechtigkeit

Wie können Schulen Kinder und Jugendliche besser fördern und ihnen unabhängig vom Elternhaus eine erfolgreiche Bildungsbiografie ermöglichen? Über diese und weitere bildungspolitische Fragen diskutierte die Landtagsabgeordnete und bildungspolitische Sprecherin ihrer Fraktion, Anne Riecke, auf Einladung des FDP-Ortsverbandes Glückstadt und Umgebung mit Interessierten.

Anne Riecke (links) mit FDP-Ortsvorsitzendem Stefan Goronczy im "Poppenhuus"

Anne Riecke (links) mit FDP-Ortsvorsitzendem Stefan Goronczy im "Poppenhuus" (Foto: privat)

Im Mittelpunkt des Abends stand die Frage, wie das Bildungssystem stärker auf die unterschiedlichen Voraussetzungen und Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler eingehen kann. Anne Riecke, die vor ihrem Landtagsmandat selbst als Gemeinschaftsschullehrerin tätig war, machte deutlich, dass es aus ihrer Sicht nicht allein um Chancengleichheit, sondern vor allem um Chancengerechtigkeit gehen müsse. Kinder müssten entsprechend ihrer individuellen Ausgangslage gefördert werden, damit sie ihre Fähigkeiten bestmöglich entwickeln könnten.  

Eine zentrale Voraussetzung für schulischen Erfolg sei dabei das sichere Beherrschen der deutschen Sprache. Riecke sprach sich deshalb für verpflichtende Sprachtests vor der Einschulung aus. So könne Unterstützungsbedarf frühzeitig erkannt und gezielt aufgegriffen werden. Auch vor dem Übergang auf eine weiterführende Schule könnten Tests dabei helfen, ein Lernumfeld zu finden, das dem jeweiligen Entwicklungs- und Leistungsstand der Schülerinnen und Schüler entspricht. Ergänzend regte sie an, Vorschulen wiederzubeleben. Diese könnten Kinder bereits vor dem eigentlichen Schuleintritt sozial vorbereiten und erste pädagogische Förderung ermöglichen. 

Auch die Inklusion war Thema der Veranstaltung. Diese sei nicht grundsätzlich gescheitert, erklärte Riecke. Allerdings entspreche der derzeitige Personalschlüssel vielerorts nicht den tatsächlichen Anforderungen. Wenn Schulen ihrem Inklusions- und Integrationsauftrag gerecht werden sollen, müssten auch die personellen Rahmenbedingungen dazu passen. Das teilweise schwer überschaubare Nebeneinander von Schulbegleitung, Schulassistenz und Schulsozialarbeit sei eine der Herausforderungen im Schulalltag. Multiprofessionelle Teams und Pool-Lösungen bei den Schulbegleitern könnten hier zu Verbesserungen beitragen.  

Verbesserungsbedarf sieht Riecke zudem beim derzeitigen Sozialindex. Schulsozialarbeit solle stärker mit diesem Instrument verknüpft werden, damit Schulen mit besonderem Unterstützungsbedarf die erforderlichen Ressourcen erhalten. Dazu gehörten auch schulpsychologische Angebote für Schülerinnen und Schüler sowie, bei entsprechendem Bedarf, für Lehrkräfte. Hier sollte das Land mehr finanzielle Verantwortung übernehmen, denn sonst bleiben Kinder in finanzschwachen Kommunen benachteiligt.  

Gleichzeitig warb die Bildungspolitikerin für mehr Handlungsspielraum vor Ort. Schulen benötigten größere Freiheiten, um auf ihre jeweilige Situation reagieren zu können. Dazu könne beispielsweise die Möglichkeit gehören, Klassengrößen flexibler festzulegen. Nicht jede Schule stehe vor den gleichen Herausforderungen, weshalb starre Vorgaben den unterschiedlichen Bedingungen nicht immer gerecht würden. Dazu gehöre auch mehr finanzielle Eigenverantwortung der Schulen.  

Als weitergehenden Ansatz stellte Riecke ein durchlässigeres Kurssystem zur Diskussion, das den klassischen Unterricht ergänzen oder teilweise ablösen könnte. Lehrkräfte würden dabei stärker zu Lernberatern, die Schülerinnen und Schüler auf ihrem individuellen Bildungsweg begleiten. Beim Thema Schulabsentismus sprach sie sich für höhere und landesweit einheitliche Sanktionen gegenüber Eltern aus.  

Ein weiterer Schwerpunkt war die Digitalisierung. Diese dürfe sich nach Rieckes Auffassung nicht auf die Bereitstellung digitaler Endgeräte beschränken. Entscheidend sei vielmehr, digitale Möglichkeiten als unterstützenden Prozess sinnvoll in Unterrichtsplanung und Unterrichtsgestaltung zu verankern.  Die Veranstaltung zeigte damit eine breite Palette möglicher Ansatzpunkte für eine Weiterentwicklung der Bildungspolitik auf: von frühzeitiger Sprachförderung und gestärkten Vorschulen über bedarfsgerechte Unterstützung und mehr schulische Eigenverantwortung bis hin zu neuen Unterrichtsformen und einer pädagogisch eingebetteten Digitalisierung. Anne Riecke betonte, dass die Bildungspolitik für die FDP oberste Priorität in der Landespolitik hat, denn nur mit guten Bildungserfolgen ist das Aufstiegsversprechen möglich.